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Licht am Ende des Tunnels
18.11.2011
Licht am Ende des Tunnels
Weltweit einzigartig waren die Tunnelbohrarbeiten für die zweite Röhre des Kaiser-Wilhelm-Tunnels - mit nur 3 Meter Überlagerung bohrte sich die 1710 Tonnen schwere und 90 Meter lange Tunnelbohrmaschine durch bewohntes Gebiet.

Der neue Tunnel führt nämlich inmitten des Stadtgebietes aus dem Berg. Bevor mit den Bohrungen direkt unter der Cochemer Altstadt begonnen werden konnte, mussten besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Beobachtungsmarken und spezielle Messinstrumente wurden an Gebäuden in der Gefahrenzone angebracht. Veränderungen im Erdreich während der Arbeit wurden durch Sonden registriert, sodass die Experten jederzeit eingreifen konnten. „Der Abstand zu den Hausfundamenten beträgt in der Regel 10 bis 15 Meter, an den kritischen Stellen jedoch nur 3,5 Meter“ berichtet ALPINE Mitarbeiter Marco Reith. Vor Beginn der Bohrarbeiten in sensiblen Gelände wurde der gewaltige Stahlkoloss noch einmal überholt.

Die Bohrarbeiten erfolgten in offenem und geschlossenem Modus – bis zu einer bestimmten Stelle gräbt das Gerät im „offenen Modus“, danach im geschlossenen. Das heißt, in der Nähe des Bohrkopfs wird das Gerät durch einen Erdbrei gestützt. Das ist nötig, da bei manchen Bohrabschnitten bloß weiches Gestein zwischen Tunnelschacht und Erdoberfläche liegt. Die Maschine bohrte sich im Tag- und Nachtbetrieb von Mitte August bis Anfang Oktober durch die 500 Meter lange Strecke durch die Oberstadt. Nach dem Durchschlag im November 2011 konnte die Mannschaft aufatmen und sah im wahrsten Sinne des Wortes „Licht am Ende des Tunnels“. „Die Bohrarbeiten sind reibungslos verlaufen und die prognostizierten Setzungen wurden bei weiten unterschritten“ zeigt sich Marco Reith zufrieden.

Im Zusammenhang mit Stahlkolossen gab es schon mehrere nervenaufreibende Ereignisse im geschichtsträchtigen Tunnel: Im November 1948 kam es in der Mitte des Tunnels im Führerstand einer Dampflok des Typs 50 2059 zu einer Kohlenstaubexplosion. Der D-Zug 21 Koblenz-Paris war mit 650 Passagieren besetzt. Der gesamte Führerstand stand im Flammen, nachdem eine Stichflamme aus der Feuerbüchse ausgetreten war.

Der Lokführer konnte das Bremsventil nicht mehr anfassen und ein Anhalten des Zuges schien unmöglich. In einer spektakulären Aktion kletterte der Lokführer aus dem Führerstand und auf das Umlaufblech der Lok, wo er das vordere Luftventil erreichen konnte und den Zug am Ende des Tunnel zum Stehen bringen konnte. Dafür wurde dem Lokführer August Vochtel aus Trier vom französischen Gouverneur die Tapferkeitsmedaille verliehen, weil durch seinen Einsatz alle Menschenleben gerettet werden konnten!

Durch den Kaiser-Wilhelm-Tunnel wird eine weitausholende Moselschleife abgeschnitten und erspart der Moseltalbahn auf der Strecke Trier – Koblenz so einen gewaltigen Umweg. Die ersten planmäßigen Züge werden nach der Fertigstellung Ende 2012 durch den neuen Tunnel fahren. Anschließend erfolgt die Sanierung des alten Kaiser-Wilhelm-Tunnels.

Übrigens: das „Licht am Ende des Tunnels“ sehen Sie nicht, wenn Sie auf einer Seite der neuen Tunnelröhre stehen und durchschauen wollen. Der Kaiser-Wilhelm-Tunnel verläuft zwar schnurgerade, steigt aber auf seiner 4205 Meter langen Strecke um insgesamt 14 Meter an.

>> Pressemitteilung zum Tunneldurchschlag

Tunnelbohrmaschine beim „Neuen Kaiser-Wilhelm Tunnel“

„Neuer Kaiser Wilhelm Tunnel“ Durchbruch

Videos Quelle: YouTube

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